Painting against Painting (2009)


Painting is similar to writing. Both, painting and writing ideally first turn against themselves, in order to reflect on the given circumstances and open up spaces and interspaces, which then form the basis for new work. In some of Claudia Charlotte Linder’s works painting and writing become intertwined.

In an almost obsessive manner, she transfers the text Art as Art by Ad Reinhardt on paper with a stencil. The text becomes a graphic item and loses its coherence. The letters begin to float on the surface and build fragments that are then put together to form new modules. The process of writing can almost be regarded a prerequisite for Claudia Charlotte Linder’s painting. By mechanically reproducing the letters, she is able to turn writing into a meaningless act, while, at the same time, revealing small pieces of content that only make sense when read through an artistic eye. In Linder’s painting the text becomes a subtext. For in her often black paintings in which she confronts and virtually interlocks the different layers of color, texts like the one by Reinhardt form the background for the dialectical relation between color, canvas and artistic expression. Ad Reinhardt who became famous with his Black Paintings wanted to dismiss the texture of painting and the brush stroke. It was his aim to get rid of any meaning behind shape, color, light and movement. The only thing that Reinhardt wanted to be seen was blackness. In his manifesto-like writings he calls for nothing less than the “ideal painting”.

In the set of fifteen pictures, which Claudia Charlotte Linder first presented as her final work at the Academy of Fine Arts Vienna, where she graduated, the artist reflects on contradictory rules of painting. Whenever a shape appears on the painting, she immediately removes it again. It could be considered a dispute between color, shape and the actual paintbrush strokes. For Linder, painting is not merely limited to the canvas. She rather considers it a process in which she mixes different media types. By letting a golden lion emerge out of the black or – vice versa – letting a small piece of a shape disappear into the black, she combines painting with the projection of a cinematic picture. The canvas turns into a projection surface, it absorbs the painting which only becomes visible again through light.

Photography is another medium Claudia Charlotte Linder uses. She usually takes the photos for her work from books and catalogues, mostly photo-books, which focus on motives such as animals or landscapes. For Linder, the outstanding quality of these photos serves as the basis for her work. One could think of the Sunday Pictures (Sonntagsmotive) by Hans-Peter Feldmann who examined iconic qualities on the basis of his posters of a sunset, a pair of lovers in front of a sunset or a kitten. Claudia Charlotte Linder places a photo of a deer next to a black canvas. Unlike Feldmann, she adds a painterly dimension to the photographed object. The black canvas serves not only as a counterpart but also as an equivalent of the edited photo. The object – in this case the photo of the deer – appears only to vanish again in the painting. The artist juxtaposes painting, photography and writing in order to create a connection between pictures and language, which reflects the use of these particular media and their interrelation. In the end, it is this interrelation that gives us information about how to read paintings and about how much meaning they can actually convey.

Eva Maria Stadler, Curator for Contemporary Art. Belvedere Museum, Vienna.
[Translation: Julija Schellander]


Malen gegen das Malen (2009)


Malen ist wie Schreiben. Malen und Schreiben richten sich im besten Falle zunächst gegen sich selbst, um in der Reflexion der eigenen Bedingungen Räume und Zwischenräume aufzutun, die zum Ausgangspunkt für die neue Arbeit werden.Für Claudia Charlotte Linder fällt das Malen und das Schreiben in manchen ihrer Arbeiten in eins.

In geradezu obsessiver Art und Weise überträgt sie den Text Kunst als Kunst von Ad Reinhardt mit Schriftschablonen auf Papier. In der grafischen Aneignung des Textes verlieren die Buchstaben ihren Zusammenhang, flottieren auf der Fläche, nur Fragmente fügen sich zu neuen Modulen. Für Claudia Charlotte Linder ist der Prozess des Schreibens fast Voraussetzung für ihre Malerei, - die mechanische Reproduktion der Buchstaben, erlaubt es ihr das Schreiben zu entleeren, ihm seinen Sinn zu rauben um gleichzeitig Inhalte aufblitzen zu lassen, die durch das malerische Sehen lesbar werden. Der Text wird in der Malerei Linders zum Subtext, denn in ihren oft schwarzen Bildern, in denen sie die Farbschichten miteinander konfrontiert, gegeneinander verschiebt oder ineinander gewissermaßen verschraubt, bilden Texte wie der Ad Reinhardts die Folie für das dialektische Verhältnis von Farbe, Leinwand und malerischem Gestus. Ad Reinhardt der mit seinen Black Paintings berühmt geworden ist ging es um das Ausblenden von malerischer Textur, vom Pinselstrich, aber auch von einer Form, von Farbe und Licht, und von Bewegung. Nur das Schwarz sollte da sein. Seine manifestartigen Texte fordern nichts weniger als ein Ideal des malerischen Bildes.

In ihrem fünfzehnteiligem Bilderzyklus, den Claudia Charlotte Linder als Abschlussarbeit an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo sie studierte, erstmals präsentiert hat, setzt sich die Künstlerin mit widerstrebenden Regeln der Malerei auseinander. Sobald eine Form im Bild auftaucht sorgt sie für ihr Verschwinden. Es handelt sich gewissermaßen um einen Streit von Farbe, Form und der Spur des Pinsels. Malerei ist für Linder nicht nur auf das Leinwandgeviert beschränkt, es ist viel mehr ein Prozess indem verschiedene Medien ineinander wirken. Wenn sie einen goldenen Löwen aus dem Schwarz hervortreten, oder umgekehrt das Bruchstück einer Form im Schwarz verschwinden lässt, schließt sie die Malerei mit der Projektion des filmischen Bildes kurz. Die Leinwand wird zum Projektionsraum, sie absorbiert das Bild, und nur durch das Licht kann dasselbe erscheinen.

Die Fotografie ist ein weiteres Medium, das Claudia Charlotte Linder einsetzt. Das Bildmaterial entnimmt sie Büchern oder Katalogen, die sie findet. Dabei handelt es sich meist um Fotobücher, die sich auf Motive, wie Tiere oder Landschaften konzentrieren. Die Fotografien zeichnen sich durch eine besondere Qualität aus, die Linder zum Ausgangspunkt ihrer Malerei macht. Man könnte an die Sonntagsmotive von Hans-Peter Feldmann denken, der mit seinen Plakaten eines Sonnenunterganges, eines Liebespaares vor dem Sonnenuntergang oder eines Kätzchens die ikonischen Qualitäten untersucht hat. Claudia Charlotte Linder setzt das Foto eines Hirsches neben eine schwarze Leinwand. Im Unterschied zu Feldmann fügt sie dem Fotomotiv eine malerische Dimension hinzu. Die Überarbeitung der Fotografie findet ihren Gegenpart und ihre Entsprechung zugleich in der schwarz bemalten Leinwand. Der Gegenstand, in diesem Fall die Fotografie eines Hirsches taucht auf um in der Malerei zu verschwinden. Im Nebeneinander von Malerei, Fotografie und Text geht es um Bild- und Sprachverknüpfungen, die den Einsatz der jeweiligen Medien und ihr Verhältnis zueinander reflektieren. Dieses Verhältnis ist es schließlich, das uns Aufschluss darüber gibt, wie Bilder zu lesen sind, bzw. was sie hervorzubringen imstande sind.

Eva Maria Stadler, Kuratorin für zeitgenössische Kunst, Belvedere, Wien