the insectologist (2009)

[über die 'language pieces']


Strange thoughts usually fly in first - a word, a sentence a turn of phrase - buzzing frantically inside the head like large, strange insects which enter through an open window, refusing to be shooed away. And Claudia Linder - an artist turned insectologist of ideas - does not wish to let them simply disappear. Rather, she designs her works as idea-traps that allow these loud, aggressive but oddly vibrant voices to survive past their capture but put them in de-fanged, 'secured' states. The somewhat politically incorrect statements, funny misogynist expressions and other colorful oddities she collects are merely neutralized; they continue their buzzing noises even inside the artworks like angry mosquitoes glued to a honey scented sticky strip.
"What is the point?" a frowning critic might ask. "Is it the joy of idea-hunting in and of itself? the trophies hanging on the wall? the mechanics or the clever machinery invented for that purpose?" Its probably all of the above plus two more important things: the artworks always show how matter become animated by ideas and how the products of the mind become actualized, materialized, fossilized in the real world.


Seltsame Gedanken stellen sich üblicherweise zuerst ein – ein Wort, ein Satz, eine Wendung. Sie summen unruhig im Kopf herum, wie große, bizarre Insekten, die durch ein offenes Fenster hereinfliegen und sich nicht verscheuchen lassen. Und Claudia Linder, Künstlerin und Gedanken-sammlerin, will nicht, dass die geflügelten Gäste einfach wieder verschwinden. Ihre Arbeiten gestaltet sie als Gedankenfallen. Die lärmenden, aggressiven, klingenden Stimmen werden lebendig eingefangen und sicher verwahrt. Aber all die politisch unkorrekten Aussprüche, die skurril-frauenfeindlichen Ausdrücke und anderen bunten Merkwürdigkeiten, die Claudia Linder sammelt, summen und lärmen auch in den Kunstwerken weiter wie zornige Mücken, die an einem honigduftenden Fliegenfänger kleben.
„Wozu?“, könnten Kritiker stirnrunzelnd fragen. „Geht es ihr um die Freude an der Gedanken-Jagd als Selbstzweck? Um die Trophäen, die an den Wänden hängen? Oder um den raffinierten Mechanismus, den sie erfunden hat?“ Wahrscheinlich trifft das alles zu. Zwei Dinge sind aber noch wichtiger: Die Kunstwerke zeigen, wie Materie von Gedanken belebt wird – und wie Erzeugnisse des Geistes in der realen Welt zu Gegenständen, zu Materie, zu Fossilien werden.

martin guttmann